Slow Fashion aus Wiesbaden

Wir sind es nicht mehr gewohnt zu warten. Vorfreude genießt man zu Zeiten von  „Amazon Same Day Delivery“ nicht mehr. Vorfreude ist dem genervten Gefühl gewichen, das sich einstellt, wenn man etwas nicht mehr sofort bekommen kann. Wie können kleine Manufakturen dem schnelllebigen Tempo von Massenproduktion und irrsinniger Preisunterbietung standhalten? Die Antwort fällt kurz aus: gar nicht.

Natürlich ertappe ich mich regelmäßig dabei, wie ich nur mal schnell online den Preis vergleiche. Es ist ja auch nicht verwerflich auf seinen Geldbeutel zu achten. Die eigentliche Frage, die sich ein jeder hier jedoch stellen sollte, ist vielmehr: „Was will ich kaufen?“ und nicht „Wo bekomme ich es am Günstigsten her?“. Das Gefühl für Wertigkeit und Langlebigkeit ist verloren gegangen. Es ist ja auch egal, ob das 5-Euro-Shirt nur ein Jahr hält. Dann holt man sich nächstes Jahr eben ein neues.

Seit ein paar Jahren macht sich jedoch eine Gegenbewegung breit. Slow Fashion ist hier das Stichwort:

Die Rohstoffproduktion und Weiterverarbeitung wird entschleunigt: Es wird weniger, aber qualitativ höherwertige Ware produziert – so werden Ressourcen geschont. Die Kleidung wird unter fairen und ökologisch vertretbaren Bedingungen mit großer Sorgfalt angefertigt.
Get Changed

Ohne es zu wissen, haben Rebecca und ich uns von Anfang an die gleichen Ziele gesetzt. Wenn wir ein „deutsches Hawaiihemd“ herausbringen, sollte es auch aus Deutschland kommen. Mit Rebecca, als gelernter Schneiderin, war zumindest die Fertigung geklärt. Einige Anfragen später haben wir einen sächsischen Produzenten gefunden, der unsere Stoffmengen bedrucken konnte und wollte. Ja, nicht jede Druckerei hat Interesse ein paar hundert Meter Stoff zu bedrucken – in der Regel sollten es schon mindestens 1.000 Meter sein. Zu viel für uns. Zumindest noch.

Mit Materialien von deutschen Zulieferern und lokaler Produktion kamen wir aber schnell zu einem neuen Knackpunkt: dem Preis. Bei der geringen Stückzahl und den hohen Produktionskosten hätten wir unseren Verkaufspreis auf mindestens 150 Euro legen müssen. Ein Preis, der unserem Bauchgefühl Kopfzerbrechen bereitet hat. Da wir Schönwetterfront nebenberuflich betreiben, haben wir uns gegen den „Reichtum“ entschieden und beschlossen kostendeckend mit einem kleinen Gewinn pro verkauftes Hemd ins erste Jahr zu starten. Es sollte sich ja erstmal zeigen ob Deutschland genug heimische  Hawaiihemdenfreunde besitzt. Und was sollen wir sagen? Es gibt sie!

Wir verzichten auch 2017 weiterhin auf große Lagerhaltung und größere Vorproduktion um unseren limitierten Stoffvorrat bestmöglich zu nutzen. Das heißt, dass viele unserer Hemden immer noch erst auf Bestellung gefertigt und versendet werden. Seit diesem Jahr arbeiten wir jedoch mit zwei deutschen Schneidereien zusammen, die Rebecca in der Produktion entlasten. Neue externe Kosten bedeuten jedoch, dass wir auch unsere Preise nach oben hin anpassen mussten. Außerdem sind wir weiterhin auf der Suche nach einer deutschen Druckerei, die GOTS-zertifizierte Stoffe verarbeitet und auch in kleineren Abnahmemengen unter 1.000 Meter bedruckt. Unser Ziel ist es Schönwetterfront so nachhaltig wie möglich zu machen – empfehlenswerte Kontakte sind herzlich willkommen!

Slow Fashion erzählt eine Geschichte. Slow Fashion hat eine Herkunft, die man ihr ansieht. Man spürt den Ort, von dem sie stammt und sieht die Zeit, in der sie entstanden ist.
Slow Fashion Blog

Ist es also schlimm, wenn kleine eigenständige Label preislich nicht mit Moderiesen und Textilketten mithalten können? Meiner Meinung nach überhaupt nicht – es geht vielmehr um die Einstellung und die Wertschätzung der Käufer. Das Hawaiihemd wird nie allen gefallen und nur wenigen stehen. Aber diejenigen, die sich eines unserer Hemden leisten, wünschen wir, dass es sie lange begleitet und sie immer eine Geschichte erzählen können von einem Hawaiihemd … aus Deutschland.

Aloha

Christian

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